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Mit dem Hund nach Frankreich – was muss man beachten?

Wer mit dem Hund ins Ausland reisen möchte, sollte sich vorab mit den jeweiligen Einreisebestimmungen auseinander setzen. Dazu gehören natürlich notwendige Impfungen, mögliche Maulkorbpflichten usw. Ein wichtiges Thema sind jedoch auch die Regelungen hinsichtlich so genannter „Kampfhunde“ oder „gefährlicher Hunde“.

Welche Hunde dürfen in welches Land? Was muss ich mit einem möglicherweise „gefährlichen“ Hund beachten? Für viele Länder findet man eindeutige Informationen, häufig sogar in deutscher Sprache. Und die Reise ist mit den meisten Hunden auch unkritisch.

In unserem konkreten Fall planen wir eine Reise von Deutschland über Holland oder Belgien, Frankreich nach England und Wales. Für all diese Länder konnten wir zuverlässige Informationen finden, dass wir mit unserer französischen Bulldogge Neyla problemlos ein- und durchreisen konnten. Abgesehen von Frankreich. Zu Frankreich’s Einreisebestimmungen finden sich viele Informationen, oft ist aber unklar wie offiziell und wie valide diese Informationen sind. Daher möchte ich an dieser Stelle über unsere Erfahrungen und Recherchen vor dem Urlaub berichten und hoffe, dass viele andere auch davon profitieren können.

Vorab eines: wirklich offizielle Informationen findet man auf der Homepage der französischen Botschaft in Deutschland http://www.ambafrance-de.org/. Die Einreisebestimmungen sind hier zu finden.

Die Informationen werfen allerdings weitere Fragen auf: in Frankreich gehört die „Dogge“ zu den Hunden der ersten Kategorie („Kampfhunde“), diese dürfen NICHT eingeführt werden! Aber ist eine französische (oder auch englische) BullDOGGE eine solche „Dogge“? Außerdem könnte die Beschreibung des Typus American Staffordshire Terrier auch ein bisschen auf eine französische bzw. englische Bulldogge passen (Auszug aus den Hundekategorien):

Kleine Dogge, variable Farbe,

mit einem Brustkorbumfang zwischen 60 und 80 cm ;
Gewicht : 18 bis 40 Kg ; Widerristhöhe : 35 bis 50 cm
Muskulöser Hund mit kurzem Haar und einer kräftigen Erscheinung; massive Vorderseite mit einer vergleichsweise leichten Hinterseite Abstand zwischen den Augen : wenig geprägt ; Schnauze genau so lang aber weniger breit als der Kopf; Nase steht voran des Kinns
Kräftiger Kiefer, durch die Muskeln gewölbten Wangen

Verstärkt werden diese aufgeworfenen Fragen durch Gerüchte, die sich unter anderem in Facebook und vielen Haustier- und Hundeforen hartnäckig halten:

  • „Polizisten dürfen in Frankreich eigenmächtig entscheiden, in welche Kategorie der Hund gehört“
  • „Die dürfen den Hund vor deinen Augen erschießen“
  • „Wenn die nicht wissen, was das ist, nehmen sie ihn dir einfach weg“
  • „Ich würde da nicht hingehen, die nehmen ihn dir weg“
  • „Das Hundegesetz in Frankreich wurde nochmals verschärft!“

Gerade wenn man sich auf einen gemeinsamen Urlaub mit Hund freut, sind ausgerechnet diese Kommentare wenig erfreulich und mindern die Vorfreude doch massiv.

So richtig glauben konnten wir diese Aussagen jedoch nicht. Und zwar aus verschiedenen Gründen:

  • Erkundigt man sich nach der Quelle dieser Aussagen, heißt es häufig nur: „hab ich so gehört“, „hab ich auf Facebook gelesen“ oder „hab ich in einem Forum gelesen“.
  • Die Forenbeiträge, die wir selbst gefunden haben, hatten ebenfalls keine qualifizierte Quelle. (Weder offiziell noch von namhaften Vereinen oder Verbänden.) Häufig sind diese auch relativ alt, z.B. von 2006 oder 2008, viele Beiträge trugen gar kein Datum.
  • Meldungen hinsichtlich verschärftem Hundegesetz gibt es nur auf Facebook. Es gibt keine offizielle Information dazu, auch nicht auf französischen Webseiten. Man findet anderweitig Informationen, dass das Gesetz angeblich verschärft wurde. Aber wie kann ein Gesetz „angeblich“ geändert werden, ohne das offizielle Informationen oder Nachrichtenmeldungen dazu vorhanden sind?
  • Es gibt keine einzige Meldung (auch nicht auf französisch!), die zum Inhalt hat, dass sich ein französischer Polizist in irgendeiner Form an einer Bulldogge und schon gar nicht an einer französischen Bulldogge vergriffen hat.

Um endlich Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen und um wieder Vorfreude auf unseren Urlaub haben zu können, entschieden wir uns, selbst noch einmal offizielle Informationen einzuholen. Also schrieben wir die französische Botschaft in Deutschland an, die innerhalb eines halben Tages bereits antwortete, dass die Anfrage an den Botschaftsrat für Landwirtschaft weitergeleitet wurde. (In Frankreich ist das Landwirtschaftsamt für die Einreisebestimmungen für Haustiere zuständig.) Ebenfalls nach ca. einem halben Tag bekamen wir diese sehr freundliche Nachricht zugesandt:

Sehr geehrter Herr *******,

Wir bestätigen den Eingang Ihrer Nachricht.

Französische Bulldoggen gehören nicht zu den nach französischem Hundegesetz kategorisierten Hunderassen oder –typen. Sie können mit ihm nach Frankreich reisen.

Die im Internet erneut kursierenden Gerüchte sind nicht offiziell und wurden vor einigen Jahren bereits verfasst. Alle paar Jahre werden sie erneut verbreitet und verunsichern auf unnötige Weise die Hundebesitzer in Deutschland, die nach Frankreich Urlaub machen möchten. Dadurch wird unsere Auskunftsarbeit nicht erleichtert und die zahlreicheren voller Entsetzen gegenstandlosen Anfragen kaum durch unsere offiziellen  Auskünfte mit einer einfachen und klaren Antwort beruhigt. Es sind in der Tat (schädliche) Gerüchte. Unter folgendem Link: http://www.ambafrance-de.org/Haustiere-Einreisebestimmungen erhalten Sie die amtlichen Auskünfte.

Detaillierte Erläuterungen zu den Kategorien, Typen, morphologischen Merkmalen sind in den „Anhang“ auch in deutscher Sprache zugänglich; sowie (Rahmen, Seite 1 des Anhangs/unten) Informationen zu der Möglichkeit, dass Ihr Tierarzt durch einen Attest ausschließt, dass Ihr Hund zu einer dieser Rassen gehört.

Französische Polizisten sind keine Hundejäger und –töter, wie Facebook und andere Foren gern verbreiten. Grundlos wird kein Hund beschlagnahmt.

Auch habe ich mich bei meinen Vorgängern der Landwirtschaftsabteilung erkundigt: in unseren Akten und Vorgängen gab es in der letzten 15 Jahren jedenfalls keine solche Meldungen, dass ein deutscher Hund in Frankreich getötet wurde; lediglich erhielten wir hier und da nette und herzliche Urlaubsgrüße.

Bon voyage!

Mit freundlichen Grüßen,

i.A. ****** ******

Referentin

Assistentin des Botschaftsrats für Landwirtschaft

Französische Botschaft in Deutschland

Landwirtschaftsabteilung / Wirtschafts- und Finanzabteilung

Pariser Platz 5

D-10117 Berlin

Deutschland

Mail : *********@dgtresor.gouv.fr

Natürlich muss diese Aussage – wie auch die Gerüchte – kritisch hinterfragt werden. Jedoch ergab unsere Recherche vorab bereits, dass es keine Meldungen über getötete oder beschlagnahmte Hunde gibt.

Um ehrlich zu sein, hätte es uns auch sehr gewundert, wenn wir unsere Neyla nicht nach Frankreich nehmen dürften. Sie ist schließlich eine französische Bulldogge. Außerdem ist das einzige, was sie wirklich gefährlich macht, ihr lautes Geschnarche und das gelegentliche Gepupse.

Wen es interessiert: die französischen Bulldoggen gehören in Frankreich in die Kategorie 9 – („Gesellschafts- und Begleithunde“ – „Chiens d’Agrément et de Compagnie“).

Solltet ihr also ein solches Gerücht erneut hören, hinterfragt es kritisch. Die offizielle Anfrage hat uns ca. 10 Minuten und keinen Cent gekostet. Ich kann bei Bedarf auch gerne den Kontakt der netten Dame beim Botschaftsrat weitergeben. Ihr ist sehr daran gelegen, dass diese Gerüchte aus der Welt geschafft werden.

Wie sind denn eure Erfahrungen mit dem Urlaub mit Hund in Frankreich?

6 Responses

  1. Wir fahren seit mehr als 20 Jahren regelmäßig nach Frankreich, auch mit unseren Bearded Collies. Gut der Beardie ist weit von einem Kampfhund entfernt und das erkennt wohl auch ein Laie, aber auch er hat Zähne und ist kein Schoßhund. Wir haben in Frankreich auf Campingplätzen nur die allerbesten Erfahrungen gemacht, auch mit 3 Hunden. Das Hundeverbot am Strand sehen die Franzosen großteils locker und in Straßencafes bekamen wir überall Wasser für die Hunde. Natürlich sollte man im Julit und August die Mittelmeerküste meiden, aber das gilt nicht nur für Frankreich. Wir sind mit den Hunden in Paris gewesen, Hausboot gefahren und haben auch schon in Hotels übernachtet – ohne Probleme. Tatsache ist, wenige Franzosen sprechen Deutsch, ich kann auch kaum Französisch, aber mit Händen und Füßen, Englisch, einem Wörterbuch und einem Lächeln im Gesicht kommt man garantiert durch und wenn das bestellte Menue mal anders aussieht als gedacht, ist daas ein Problem??? Wir können Frankreich als Reiseland mit Hund nur empfehlen und das geben wir auch unseren Hundekäufern mit auf den Weg.

  2. Sandra Kemmerling

    Vielen Dank für diesen Artikel.
    Wir fahren demnächst auch nach Frankreich und Dank dem Internet und dessen Gerüchte war ich kurz davor den Urlaub abzusagen.

    Ich bin jetzt richtig erleichtert

    • Johannes

      Hallo Sandra,

      das kann ich verstehen. Wir hatten uns auch überlegt, wie wir Frankreich am besten umfahren können. Aber im Nachhinein betrachtet war es wirklich vollkommen unstressig und wir wurden überall positiv und herzlich empfangen. Ich möchte in Kürze noch einen Erfahrungsbericht hier schreiben. Schau also bald wieder vorbei! 🙂

      Viele Grüße und einen schönen Urlaub!

      • Sandra Kemmerling

        Oh vielen Dank für die schnelle Antwort.
        Musstet ihr irgendwo den EU-Ausweis vorzeigen?

        Da bin ich mal gespannt auf den Erfahrungsbericht.

        Vielen Dank

        • Johannes

          Hallo Sandra,

          In Frankreich mussten wir den EU-Heimtierausweis erst zeigen, als wir auf die Fähre nach England wollten, da sogar zweimal. Aber in Frankreich selbst haben wir ihn nicht gebraucht.

          Viele Grüße!

          • Sandra Kemmerling

            Also wir sind jetzt in Frankreich angekommen…
            Waren gestern sogar ganz im Süden auf der Dune du Pyla und im Atlantik schwimmen… Kein Mensch hat irgendwie etwS negatives den Hunden gegenüber gesagt… Alles nur Gerüchte was man im Internet liest.. Es ist einfach super hier

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