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Vermehrerhunde – die Geschichte unseres Bostys Pepper

Heute möchten wir die Geschichte von einem unserer Hunde erzählen: Pepper, der Boston Terrier.

Wir haben schon vor einiger Zeit unsere Fränzi als Zweithund von der Plattnasenhilfe e.V. (einem Verein, der sich auf die Rettung von Möpsen und Bulldoggen aus Vermehrerstationen im Ausland spezialisiert hat) aufgenommen. Wir haben ausreichend Platz sowie einen schönen Garten, wo sich die Hunde austoben können. Wir entschlossen uns, uns als Pflegestelle für diese von Vermehrern ausgebeuteten Hunde zur Verfügung zu stellen, um diesen armen Wesen den besten Start in ein neues, besseres Leben zu ermöglichen.

Als wir das erste Mal zu einem Treffpunkt fuhren, an dem ein Transport mit etwa acht dieser Hunde aus der Slowakei ankam, waren wir sehr aufgeregt. Der Treffpunkt befand sich in einem privaten Garten, so dass die Hunde, sich erst einmal in Ruhe umschauen konnten, als sie aus dem Transporter geholt wurden. Gleich zu Beginn kam immer wieder eine kleine Mopsdame auf uns zu und es war sofort klar, dass wir ihr temporär ein Zuhause geben wollen würden. Wir gingen eigentlich davon aus, dass wir uns mit einem Pflegehund auf den Heimweg machen würden. Aber nachdem fast alle Hunde auf Pflegestellen aufgeteilt waren bzw. sich die Hunde ihre Stellen gesucht hatten, war noch einer über. Laut Papieren sollte es eine Französische Bulldogge sein. Jedoch sahen diese Frenchies „komisch“ aus… so schlank, mit langen Beinen und spitzen Ohren. Es war schnell klar, dass es sich eher um Boston Terrier handelt. Die kleine Maus tat uns natürlich leid, also haben wir nicht lange überlegt und auch sie eingepackt. Im Auto tauften wir die beiden dann Molly und Pepper.

Pepper war sehr dreckig. (Das fiel übrigens erst richtig auf, als sie zuhause duschen „durfte“.) Beide mussten in der darauf folgenden Woche noch kastriert werden. Molly hatte zudem einen Leistenbruch, der mit behandelt werden musste. Bei Pepper tauchte nach kurzer Zeit bereits eine Beule am Bein auf. Uns war klar, dass der Tierarzt sich dies bei der Kastration ebenfalls anschauen müsse.

Bereits nach einer Woche zog Molly schon aus. Sie kam zu einer sehr freundlichen Dame, wo sie wahrscheinlich wie eine Prinzessin lebt – genau das richtige Zuhause für sie.

Pepper sollte noch so lange bei uns bleiben, bis sie auch kastriert war. Die Überraschung war sehr groß, als der Tierarzt nach der Kastration mit der Neuigkeit kam: „Der Hund war schon kastriert.“ Leider (oder vielleicht auch zum Glück) fiel bei der versuchten Kastration auf, dass sich an einer Milchleiste eine Reihe Mammatumore gebildet hatten. Diese musste also entfernt werden. Auch die Beule am Bein stellte sich als bösartiger Tumor heraus und wurde entfernt.

Pepper durfte unmittelbar wieder mit zu uns kommen. Allerdings hatten wir kein gutes Gefühl bei der Sache… nach vielen Gesprächen mit der Plattnasenhilfe e.V. entschlossen wir, einen weiteren Tierarzt hinzuzuziehen, der die Möglichkeit hat, CT-Untersuchungen durchzuführen. Bereits auf dem Röntgen-Bild wurde offensichtlich, dass der Hund nicht nur über und über mit Tumoren übersät war. Die Bandscheiben waren ebenfalls kaputt. (Das hat uns wirklich gewundert! Pepper springt, rennt, steigt Treppen noch heute wie eine Eins!) Aufgrund der Röntgen-Bilder wurde ein CT angeordnet. (Es war ein schlimmes Gefühl, den Hund leblos im Arm zu haben, weil er für das CT betäubt werden musste.) Wegen der bereits absehbaren Diagnose wurde vereinbart, dass Pepper vom CT direkt auf den OP-Tisch kommt, wenn sich die Diagnose bestätigen sollte.

So war es denn auch: Auf Röntgen- und CT-Bilder war erkennbar, dass die Milz bereits so stark von Tumoren befallen war, dass sie drohte zu reißen. Daher kam Pepper direkt in den OP-Saal.

Sie blieb nun auch über Nacht und kam recht fit am nächsten Tag wieder mit zu uns nach Hause.

Bei einer Nachuntersuchung wurde deutlich, dass der Hund noch viel mehr Tumore hatte. Abgesehen von Herz und Lunge sind faktisch alle Organe betroffen. Laut Tierarzt wäre die verbleibende Lebenserwartung für Pepper rund vier Wochen…

Für uns stand in diesem Moment sofort fest: Pepper soll bleiben. Sie fühlte sich in dem Moment wohl – wir hatten Sorge, dass die Umstellung, eine neue Familie zu kommen, für sie zu anstrengend, zu verletzend sein könnte. Sie sollte ihren Lebensabend bei uns verbringen. Also zog sie bei uns ein und wir wurden sozusagen zum so genannten „Pflegestellenversager“ (und das schon im ersten Anlauf).

Bei den vielen Gesprächen mit dem Verein und Tierärzten wurden wir dann auch aufgeklärt: Die Vermehrerhunde werden von ihren „Züchtern“ häufig mit Hormonen behandelt, sodass sie – nicht wie üblich zweimal pro Jahr – mehrfach pro Jahr läufig werden. Diese Hormonbehandlungen führen leider in einigen Fällen zu genau diesen Krebsausbrüchen.

Und nun…?

Nun ist Pepper fast ein Jahr bei uns… Sie entwickelt sich plötzlich prächtig. Der Krebs ist nicht weg, aber ihr Charakter entwickelt sich. Von treudoof zu frech, von unterwürfig zu verspielt. Sie ist nach wie vor sehr anhänglich, sie hat offensichtlich Schlimmes erlebt in der Zeit vor uns.

Sie hat sich unserem Rudel Neyla & Fränzi so aufgedrängt, dass sie mittlerweile voll integriert ist. Sie spielt sehr viel mit Neyla und hat unter anderem den Spitznamen „Kung Fu Pepper“ erhalten wegen ihres markanten Spiel- und Kampfstils, bei dem sie ordentliche Tritte mit ihren langen Beinen verteilt. Sie wird auch gern als Schnappschildkröte bezeichnet, weil sie bei Aufregung mit ihrem teilweise zahnlosen Kiefer nach Dingen (und leider auch Fingern) schnappt. Da sie keine Rute zum Wedeln hat, nutzt sie ihre Ohren, um ihre Freude zu zeigen, indem sie sie anlegt oder ganz spitz aufstellt. Bei ganz großer Freude dreht sie dabei auch Pirouetten. Sie freut sich manchmal so sehr, dass sie unbedacht alles umrennt, was ihr im Wege steht.

Wir erinnern uns: ihre Bandscheiben sind kaputt. Aber das hat man ihr wohl nicht gesagt. Die Treppe ist kein Hindernis, der Lieblingsplatz ist oben auf der Couch und die Lieblingsbeschäftigung ist Balgen mit Neyla.

Sie lernt viel von ihrem Rudel. Sie kann plötzlich bellen und manchmal sogar auf Kommandos hören. Ein Wort versteht sie jedoch immer: „Essen“.

Wir wissen schon jetzt: Auch wenn sie nicht einfach ist, wenn ihre Zeit gekommen ist, wird es sehr schwer für uns – für uns Menschen und für ihr Rudel. Sie hat sich nun so gewandelt, ist doch so lange bei uns. Ihre Dankbarkeit zeigt sie immer wieder und wir lieben Sie dafür, dass sie is,t wie sie ist und sie bei uns sein kann.

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